Stippvisite in der Puna.
von Susanne und Walter Zielonkowsky
Die Puna – eine im Nordwesten Argentiniens gelegene wüstenhafte Hochebene in 3.500 bis 4.200 Metern Höhe. Es ist der südliche Teil des Altiplano, eine abflusslose Hochebene der Anden. Die weiten Ebenen werden von Gebirgsketten und Tälern durchzogen. Es gibt beeindruckende Salzseen und Lagunen. Sie sind auf tektonische Veränderungen am Ostabhang der Anden vor 5 bis 10 Mio. Jahren zurückzuführen.
Doch nun zu unserer Reise:
Von Salta fahren wir Richtung Süden. In El Carril kaufen wir vorsichtshalber noch Brot, Fleisch, Obst und Diesel. Dann auf die Ruta 33, die Landschaft änderte sich, nach Tabakanbau mit gepflegte Orten, tauchen wir in ein üppiges, grünes Tal ein. Die Straße schraubt sich langsam höher, die ersten Kandelaber Kakteen kommen in Sicht. Es ging immer höher und wieder verändert sich die Landschaft. Jetzt wüstenhaft, ohne Teerbelag und schließlich waren wir auf der Passhöhe bei 3300m.
Von den Bauern der Umgebung wird hier Käse und Salami verkauft. Mit Guanakokäse und Lamasalami eingedeckt, fuhren wir bis zum Abzweig in den Nationalpark „Los Cardones“. Kaum hatten wir einige Kilometer Schotter zurückgelegt, wuchsen erneut die Kandelaber Kakteen, Unmengen und hinterlegt mit einer tollen Felsszenerie. Farbige, zerklüftete Berge mit den Kakteen davor, einfach toll. Nach dem Park ein Picknickplatz, perfekt zum Übernachten, wüstenhaft wie wir es lieben.
Wir erreichten die Ruta 40 mit 5301km eine der längsten Fernstraßen der Welt. Auf ihr folgten wir einem Fluss, der die Talsohle in ein leuchtendes Grün verwandelt. Das Wasser wird durch kleine Kanäle auf die Felder geleitet. Der touristischen Ort Cachi. Er ist schön hergerichtet, an der Plaza steht die Kirche
mit einer Decke aus Kakteenholz. Nette Häuschen mit einem Säulengang davor säumen den Weg. Ein kleiner Rundgang durch das Dorf. Vielen Restaurants mit etlichen Tischen zeugen von dem Geschäft das man hier macht.
Die Ruta 40 ist am Anfang noch geteert, aber dieser verschwindet bei dem Abzweig der Ruta 33 und führt als Schotterstraße weiter. Langsam steigt die Straße an. Bei 3200m suchten wir mittags schon einen Platz. Susi ging’s nicht gut, wir vermuteten das wir zu schnell an Höhe gewannen. So fuhren wir etwas tiefer und übernachteten auf 2700m.
Anderntags zurück zur Ruta 33. Kurz vor der Passhöhe tauchten wir in dichten Nebel mit starken Nieselregen. Auf der nassen Schotterstraße rollten wir vorsichtig nach unten. In jeder Furt fliest nun ein Bach. Unzählige Steine auf der Straße zeugen von dem instabilen Erdreich. An einer größeren Furt stand schon die Polizei und leitete den Verkehr durchs Wasser. Mit den kantigen, großen Steinen möchte ich hier nicht mit einem normalen Wohnmobil durch. In Rosario de Lerma fuhren wir auch schon wieder in die hohen Berge. Der Rio Toro, die Straße und die Eisenbahnstrecke von 1927 teilen sich das Tal. Die vielen Furten führen auch hier Wasser. Abseits, an der alten Straße, übernachteten wir bei 2000m. Mit Sonnenschein und blauen Himmel starteten wir anderntags. Die Berge boten ein Farbenspiel in verschiedenen Erdtönen und sind sehr gefaltet. Im Dorf El Alfarcito machten wir Halt, sehenswert die kleine Kirche, die auch mit Kaktusholz ausgestattet wurde.
Gute zwei Kilometer nordwestlich von Santa Rosa de Tastil befinden sich Ruinen. Ein kleiner Rundgang verschaffte einen Überblick über die Anlage auf 3800m. Tastil wurde von den Atacameño im 15. Jahrhundert erbaut. Vor der Belagerung durch die Inkas waren es über 2.000 Einwohner. Sie betrieben Landwirtschaft mit Quinoa, Mais und Lama Haltung. Die Bauten bestanden aus Sandstein ohne Mörtel. Das Wegelabyrinth führt zum zentralen Platz, der um eine Wanka (einen heiligen Stein) gebaut wurde.
Noch 40 km nach San Antonio de lo Cobres, dazwischen eine Passhöhe mit 4080m, dann erreichten wir den Bergbau bzw. Minenort. Man fühlt sich schon irgendwie am Ende der Welt, staubig, die Häuser zweckmäßig. Zum Einkaufen fanden wir einen Laden. Der Verkauf erfolgte durch ein kleines Fenster. Man hat das Notwendigste bekommen. Das nächste Ziel, Viaducto La Polvorilla. Das bekannteste der Viadukte des Ramal C-14, der argentinischen Bahnstrecke Salta–Antofagasta. Der Tren a las Nubes (Zug zu den Wolken) verkehrt heute für Touristen auf einem Teil der Strecke und überquert das 63m hohe Viadukt. Diese 229m lange Stahlbrücke, in Eiffelturm Bauweise liegt auf 4200m Höhe. 1921 ist das eine großartige Bauleistung gewesen.
Darunter verläuft wieder die Ruta 40. Sie führt im Bachbett das Tal hinauf. Einige Gehöfte passierten wir, sie kommen unseren Almen gleich. Wir sahen die ersten Lamas, putzig mit den bunte Quasten an den Ohren. Dann öffnete sich das Tal in eine weitläufig Landschaft. Auf breiter Schotterstraße entlang des Vulkan Cerro Tuzgle, 5486m. Eine tolle Landschaft, wenn auch das Wellblech etwas nervt. Eine warme und duftende Therme am Wegesrand lud uns jetzt nicht wirklich ein. Der warme Bach begleitete uns einige Zeit. Riesige abgebrochen Felsen säumen das Tal. Danach abermals eine riesige Ebene, die vereinzelten Ortschaften wirken traurig. Auf einer Steinfläche mit Blick auf Berge, Fluss und Lamas, verbrachten wir den Rest des Tages.
Der Wind blies kräftig und trocknete uns aus. Susques an der Ruta 52 bietet nicht viel Einkaufsmöglichkeiten, man freute sich über ein paar Zwiebel und Tomaten. Durch karge Berge ging es steil hinab auf 3500m man erreichten den Salar Salinas Grandes. Über den Salar fuhr eine Führerin voraus und erklärt alles Wissenswerte, auch die Probleme des Lithiumabbaus. Der viertgrößte Salar Südamerikas entstand vor 10 Millionen Jahren durch den Aufprall tektonischen Platten. Durch die nicht mehr ablaufenden Flüsse staute sich das Wasser und verdunstete. Die Salzschicht ist nur 10 cm dick. Wir sahen die Ojos – die Augen, natürlichen Löcher und die Piletas – die Becken zum Abbau. Die erste Gewinnung ist Speisesalz, die zweite Industriesalz, zuletzt Viehsalz und Blöcke für Konstruktionen. Anschließend machte Blanca noch nette Fotos von uns zur Erinnerung.
Die Ruta 52 führt nochmal auf 4200m Höhe. Im zweiten Gang rollten wir dann nach unten. Keiner fährt hier schnell. Eine grandiose Landschaft. Die Berge bestehen auch wieder aus Lehm und Sand gebackenen Geröll. Bei unserem Regen zuhause würde das nicht lange halten. In Purmamarca, mit den bunten Felsen im Hintergrund, machten wir eine kleine Runde durch den Ort. Voll auf Touristen ausgelegt. Unzählige Souvenirstände, mit Sachen die man nicht braucht, dazwischen Cafés und
Restaurants.
Etwas weiter, für hiesige Verhältnisse eigentlich um die Ecke, waren wir in Tilcara. Wir stellten uns auf den Campingplatz und liefen in den Ort zum Essen. Auf dem Rückweg noch zum Hauptplatz, die Verkaufsstände begutachten. Zum Abschluß noch ein leckeres Eis zur Belohnung, ein hübscher Ort. In Richtung Cafayate, zuerst zur Ausgrabung Pucara. Eine alte Wehrsiedlung seit dem 18.Jh. besiedelt, 80m über dem heutigen Tilcara. Vor der Besetzung der Spanier war es einer der wichtigsten und bekanntesten Orte an den Handelswegen der Quebrada de Humahuaca. 1909 begann man mit der Ausgrabung. Die Steinhäuser mit Dächern aus Kaktusholz, Bambus und mit Lehm verputzt, wurden rekonstruiert. Ganz oben die Pyramide, zum Gedenken an den Entdecker.
Wir folgten der Ruta 9 durch die Schlucht Quebrada de las Conches. Unterwegs gönnten wir uns Empenadas, gefüllte Teigtaschen, vom Holzofen mit einem hausgemachten Rotwein. Nicht weit zur Garganta del Diablo. Eine Schlucht die man zu Fuß erkunden muß. Eine schräge, rutschige Felsplatte ist uns zu gefährlich so das wir nicht weit kommen. Die Wände wirken wie Fels, aber es sind die gewohnten „Sandhaufen“. Ein Stück weiter eine andere Schlucht, ein paar Meter in die Felsen und man steht in einem Kessel, dem “Amphitheater“. Ein irrer hoher Wasserfall hat diesen Topf erschaffen. Auf der weiteren Strecke immer wieder tolle farbige Felsformationen. Es gab Obelisken, Torbögen und Felsburgen zu bestaunen, wir waren begeistert. Dann erreicht man Cafayate, Weinfelder und Bodegas gaben sich die Hand. Wir trafen Bekannte und gingen in den Ort. Im kleinen Bistro „Pusk No“, saßen wir dann die nächsten Stunden.
Die Indianerstadt Quilmes aus den 11 Jhd. Ein heiliger Ort der indigenen Volksgruppe. Eine der größten archäologischen Stätten Argentiniens. Die Führerin erzählte die Geschichte des 3000 Seelen Ortes. Die historische Symbolkraft rührt daher, dass die spanischen Eroberer den Widerstands erst nach 130 Jahre brechen konnten. Das Volk der Quilmes wurde deportiert, ein Teil von ihnen an den Rio de la Plata, wo die gleichnamige Stadt bei Buenos Aires entstand, nur etwa 400 Personen überlebten den 1400 km langen Todesmarsch.
Wir fahren alleine weiter und biegen bei der Ruta 43 wieder zur Puna ab. In Villa Vil gibt es eine neue Therme. In 3 Becken, kühlt das Wasser von 41 Grad ab. Vor der Anlage konnten wir stehen, also perfekt für einige Tage. Der weitere Weg führte zuerst durch ein Flußtal, schraubte sich aber bald in 50km um 1000m in die Höhe. Wir kommen an sandigen Hängen vorbei bevor sich wieder ein großes Tal mit einer Lagune öffnet. Mittlerweile sind wir auf 3250m Höhe, um uns wieder an die Höhe zu gewöhnen, übernachteten wir hier. Vom Platz aus sahen wir die Straße, wo regelmäßig Tankwägen in Convois das Süßwasser zu der Lithiumgewinnung bringen.
Anderntags ging’s uns gut und wir fuhren weiter. Man spürte es nicht, aber es ging ständig aufwärts. Der Soki beschwerte sich wenn man das Gaspedal zu weit drückte, mit einer schwarzen Wolke. Die erste weitläufige Passhöhe bei 4000m war erreicht. Auf dem höchsten Berg in der Gegend lagen nur wenige Schneereste, wir hatten mehr Schnee erwartet. Weit unten leuchtet grünes Gras und Wasser mit salzigen Ufer. Weiße Dünen schmiegen sich an die Hänge, dazwischen kleine Hügel in den unterschiedlichsten Erdtönen. Der nächste Pass stand an mit 4200m. Entlang eines Hanges rollten wir nach El Penon, schon von weitem an großen Bäumen zu erkennen. Es hatte einige Kiosko, wie die kleinen Läden hier heißen. Man bekommt alles Notwendige, wobei die Qualität der Frische-Theke natürlich etwas zu wünschen übrig lässt. Am Dorfplatz gab es offenes WiFi. Wir empfingen und sendeten unsere Nachrichten. Durch eine kleine Schlucht mit Dünen, ging’s runter auf 3100m. Blickpunkt ist ein schwarzer Vulkan in der Mitte der nächsten Senke.
Eine teils sandige Schotterstraße bringt uns zum Campo Piedra Pomez, die Sehenswürdigkeiten in der Gegend. Das lässt man sich auch bezahlen, 30 € p.P. ist schon etwas happig. Eine tolle Landschaft mit weißen Dünen, weißen Felsen und dahinter rote und braune Berge. Wir erreichten nach unzähligen Fotostopps den Parkplatz. Ab hier geht es zu Fuß in die Bimsstein Felsen. Aus sandigen Boden ragen die Felsen etwa 5 -7 m in die Höhe, vom Wind zu bizarren Formen geschliffen. Ähnlich wie die Lehm Sphinxen in Ägypten.
Im Satellitenbild hatte ich einen roten See gesehen und im Navi ein Parkplatz. Das müßte zum Übernachten reichen. Eine Quelle kommt neben einem Vieh Kral direkt aus dem Berg, viel Wasser aus einem ca. 50cm breiten Loch. Der Bach läuft in die Lagune in der es sich Flamingos schmecken liessen. Lamas, Vicunas und Esel beweideten die Grünflächen. Der Wind blies ordentlich aus Süden und plötzlich fiel ein Teil der Tamariske vor unserem Auto um. Wir fuhren lieber einen Meter zurück.
Auf der Passhöhe ein tolles Erlebnis. Dicke Wolken flogen über die Berge und über das Hochtal. Als wir einen Platz hatten, scheint alles perfekt. Als wir ausstiegen blies uns der Wind fast um. So wird es nichts mit Sonnesitzen. Das perfekte Wetter zu bekommen, ist nicht einfach.
Wir schlugen den Rückweg durch flaches Land nach Uruguay ein. Der nächste Trip in die Puna wird nicht lange dauern.
